Durchfallquote

Physikum Durchfallquote: aktuelle IMPP-Zahlen und Wiederholung

Medizinstudentin liest ihr Physikum-Ergebnis auf dem Handy
Marie - Expertin für Staatsexamina
Autorin dieses Beitrags
Marie - Expertin für Staatsexamina
Marie begleitet seit Jahren Medizinstudierende durch das Physikum und kennt die Zahlen, Fristen und Wiederholungsregeln des Ersten Abschnitts der Ärztlichen Prüfung aus zahllosen Gesprächen mit Betroffenen.

Du hast dein Ergebnis noch nicht gesehen, aber die Zahlen im Kopf lassen dich nicht los: Wie viele fallen eigentlich durch? Und wie schlecht stehen deine Chancen wirklich, wenn du wiederholen musst?

Die Antwort ist nicht eine einzige Zahl, sondern mehrere - je nachdem, ob du vom schriftlichen oder vom mündlich-praktischen Teil sprichst, und ob es dein erster Versuch ist oder eine Wiederholung. Dieser Artikel ordnet die aktuellen IMPP-Zahlen ein, erklärt die Wiederholungsregeln der Approbationsordnung und zeigt, was ein endgültiges Nichtbestehen konkret bedeutet - und was nicht. Das Physikum gilt nicht ohne Grund als eine der schwersten Prüfungen im deutschen Ausbildungssystem, und genau deshalb lohnt sich ein nüchterner Blick auf die tatsächlichen Zahlen statt auf das, was im Freundeskreis kursiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Im schriftlichen Teil des Physikums fielen im aktuellsten Termin Frühjahr 2026 laut IMPP 19,4 Prozent der Teilnehmenden durch - 628 von 3.229 Personen
  • Bei der Referenzgruppe (Erstteilnehmer mit Mindeststudienzeit) lag die Quote im selben Termin bei nur 4,9 Prozent - der Unterschied zwischen beiden Zahlen ist der entscheidende
  • Frühjahrs- und Herbsttermin sind nicht vergleichbar: im Herbst 2024 lag die Gesamtquote bei 9,5 Prozent, weil dort deutlich mehr Erstteilnehmende antreten
  • Wer wiederholt, hat ein deutlich höheres Risiko: Erstwiederholer scheiterten schriftlich zu 41,5 Prozent erneut, Zweitwiederholer zu 36,0 Prozent
  • § 20 Abs. 1 ÄApprO erlaubt für jeden Prüfungsteil maximal zwei Wiederholungen - danach ist die Prüfung endgültig nicht bestanden
  • Endgültiges Nichtbestehen sperrt dich bundesweit für den Studiengang Humanmedizin an staatlichen Hochschulen in Deutschland, nicht automatisch für Zahnmedizin, Pharmazie oder ein Studium im Ausland

Wie hoch ist die Durchfallquote im Physikum wirklich?

Das Physikum, offiziell der Erste Abschnitt der Ärztlichen Prüfung, besteht aus zwei getrennten Prüfungsteilen mit eigenen Bestehensregeln: einer schriftlichen Prüfung mit rund 320 Multiple-Choice-Aufgaben und einer mündlich-praktischen Prüfung in Anatomie, Biochemie/Molekularbiologie und Physiologie. Die Durchfallquote im Physikum ist deshalb nie eine einzelne Zahl, sondern mindestens zwei. Weil das Physikum das erste der drei großen Staatsexamen im Medizinstudium ist, wird die Durchfallquote gelegentlich auch als Durchfallquote beim ersten Staatsexamen Medizin gesucht - gemeint ist immer diese Prüfung, nicht das Zweite oder Dritte Staatsexamen mit eigenen, separaten Ergebnisberichten.

Im aktuellsten Ergebnisbericht des IMPP (Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen) für den schriftlichen Teil, Termin Frühjahr 2026 mit Stand 1. April 2026, traten 3.229 Personen an. 628 von ihnen bestanden nicht - das sind 19,4 Prozent. In der sogenannten Referenzgruppe, also Erstteilnehmenden mit der vorgesehenen Mindeststudienzeit, scheiterten dagegen nur 59 von 1.207 Personen und damit 4,9 Prozent.

Dieser Abstand ist keine Statistik-Spielerei, sondern die eigentliche Antwort auf die Frage. Wer im Regelstudienverlauf zum ersten Mal antritt, bewegt sich in der Größenordnung von rund fünf Prozent. Die 19,4 Prozent der Gesamtgruppe entstehen dadurch, dass im Frühjahrstermin überdurchschnittlich viele Wiederholer und Studierende außerhalb der Regelstudienzeit mitschreiben - von den 3.229 Teilnehmenden gehörten nur 1.207 zur Referenzgruppe.

Frühjahr und Herbst nicht vergleichen
Im Herbsttermin liegt die Gesamtquote regelmäßig deutlich niedriger, weil dort die große Kohorte der Erstteilnehmenden schreibt: Im Herbst 2024 traten 7.094 Personen zum schriftlichen Teil an, 675 bestanden nicht - 9,5 Prozent, bei einer Referenzgruppenquote von 4,15 Prozent. Wer eine Zahl aus dem Netz übernimmt, ohne den Termin mitzulesen, vergleicht zwei völlig verschiedene Teilnehmerfelder.

Der mündlich-praktische Teil wird separat erfasst. Im Termin Herbst 2024 traten dort 6.987 Personen an, 732 von ihnen erhielten die Note "nicht ausreichend" - das entspricht 10,5 Prozent. Wer online nach der Durchfallquote im mündlichen Physikum sucht, findet damit eine Zahl, die auf einer eigenen Statistik beruht und sich nicht mit der schriftlichen verrechnen lässt.

Zwei Prüfungen, zwei Statistiken:
Schriftlicher und mündlich-praktischer Teil werden getrennt bewertet und in getrennten Kampagnen abgelegt. Ein Prüfling kann den einen Teil bestehen und im anderen scheitern - die beiden Durchfallquoten lassen sich deshalb nicht einfach addieren oder gegeneinander austauschen.

Warum die Quote bei Wiederholern so viel höher liegt

Die Gesamtquote verschleiert einen entscheidenden Unterschied: Wer das Physikum zum ersten Mal schreibt, hat deutlich bessere Karten als jemand, der es wiederholt. Im schriftlichen Teil scheiterten Erstteilnehmende im Termin Herbst 2024 nur zu 7,5 Prozent. Bei Erstwiederholern lag die Quote bei 41,5 Prozent, bei Zweitwiederholern bei 36,0 Prozent.

Im mündlich-praktischen Teil zeigt sich dasselbe Muster: 8,9 Prozent Durchfallquote bei Erstteilnehmenden, aber 33,8 Prozent bei Erstwiederholern und 32,4 Prozent bei Zweitwiederholern. Wer im Physikum durchgefallen ist, startet die Wiederholung also unter schwierigeren statistischen Vorzeichen als beim ersten Anlauf.

Was die Zahlen nicht sagen:
Die höhere Durchfallquote bei Wiederholern bedeutet nicht, dass die Prüfung beim zweiten Versuch automatisch schwerer wird. Sie spiegelt eher wider, dass sich bei Wiederholern häufig zusätzlicher Druck, Zeitmangel neben dem laufenden Semester oder unveränderte Lernstrategien summieren.

Genau deshalb lohnt sich ein ehrlicher Blick auf die eigene Vorbereitung, bevor die Wiederholungsprüfung ansteht. Mehr zu den Optionen nach einem gescheiterten ersten Anlauf findest du in unserem Beitrag Staatsexamen durchgefallen.

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Was die Approbationsordnung zur Wiederholung sagt

Die Bestehensregeln und Wiederholungsmöglichkeiten stehen nicht im luftleeren Raum, sondern in der Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO). § 14 Abs. 6 ÄApprO legt fest, wann der schriftliche Teil bestanden ist: entweder mit mindestens 60 Prozent richtig beantworteter Fragen oder relativ zur Referenzgruppe. Für den mündlich-praktischen Teil regelt § 25 ÄApprO die Bewertung anhand einer fünfstufigen Notenskala von "sehr gut" bis "nicht ausreichend".

Für die Wiederholung selbst ist § 20 Abs. 1 ÄApprO maßgeblich. Dort heißt es sinngemäß, dass die einzelnen Teile des Ersten Abschnitts jeweils zweimal wiederholt werden können. Insgesamt stehen dir also drei Versuche pro Prüfungsteil zu: der reguläre Versuch plus zwei Wiederholungen. Scheiterst du auch im zweiten Wiederholungsversuch, gilt die Prüfung als endgültig nicht bestanden - und § 20 Abs. 1 Satz 2 ÄApprO stellt klar, dass selbst ein erneutes Medizinstudium daran nichts ändert.

Wichtig dabei: Schriftlicher und mündlich-praktischer Teil werden getrennt gewertet und auch getrennt wiederholt. Wer nur im mündlich-praktischen Teil durchfällt, muss nicht die komplette schriftliche Prüfung erneut ablegen - der bereits bestandene Teil bleibt erhalten. Das zuständige Landesprüfungsamt informiert dich nach jedem Versuch schriftlich darüber, wie viele Wiederholungen dir noch zustehen und bis wann du dich zur nächsten Prüfungskampagne anmelden musst.

Drei Versuche, nicht zwei:
Umgangssprachlich ist oft von "zwei Versuchen" die Rede, gemeint sind aber der erste Antritt plus zwei Wiederholungsversuche - macht insgesamt drei Anläufe pro Prüfungsteil, bevor endgültiges Nichtbestehen droht.

Endgültig nicht bestanden - was das konkret bedeutet

Das endgültige Nichtbestehen im Physikum ist die härteste denkbare Konsequenz - und genau deshalb lohnt sich Präzision statt Panik. Rechtlich verliert du damit deinen Prüfungsanspruch im Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung endgültig. Weil die Landeshochschulgesetze aller Bundesländer eine Einschreibung verweigern, wenn jemand die Prüfung in einem Studiengang bereits endgültig nicht bestanden hat, ist eine erneute Immatrikulation im Studiengang Humanmedizin an keiner staatlichen deutschen Hochschule mehr möglich - unabhängig davon, an welcher Uni das Nichtbestehen passiert ist.

Was die Sperre nicht automatisch umfasst:
Der Ausschluss betrifft konkret den Studiengang Humanmedizin. Zahnmedizin und Pharmazie sind eigenständige Studiengänge mit eigenen Approbationsordnungen und in der Regel nicht automatisch mitbetroffen - die zuständige Immatrikulationsstelle prüft das im Einzelfall. Ein Medizinstudium im außereuropäischen oder europäischen Ausland bleibt ebenfalls möglich, da ausländische Hochschulen nicht an deutsche Landeshochschulgesetze gebunden sind.

Wer an diesem Punkt steht, hat trotzdem Optionen - sie erfordern nur eine andere Planung als ursprünglich gedacht. Einen Überblick über mögliche Wege bekommst du in unserem Artikel zu endgültigem Nichtbestehen, und wenn eine Zwangsexmatrikulation im Raum steht, lohnt sich zusätzlich ein Blick in unseren Beitrag zur Wiederholungsprüfung im Drittversuch.

Lernplan neu aufsetzen

Statt einfach mehr vom Gleichen zu tun, lohnt sich eine ehrliche Analyse: Welche Fächer haben tatsächlich gefehlt, welche Methode hat nicht funktioniert.

Unterstützung organisieren

Tutorien, Lerngruppen oder ein Gespräch mit der Fachschaft helfen dabei, Wissenslücken gezielt statt planlos zu schließen.

Fristen im Blick behalten

Anmeldefristen für die Wiederholungsprüfung sind strikt. Ein verpasster Termin kostet dich wertvolle Zeit im Studienverlauf.

Medizinstudent lernt Anatomie für die Physikum-Wiederholung

Wie du dich auf die Wiederholung vorbereitest

Ob das Physikum schwer ist, hängt stark von der Vorbereitung ab - die Stoffmenge aus vier Vorklinik-Semestern ist unabhängig vom Versuch dieselbe Herausforderung. Wer wiederholt, profitiert oft davon, die Lernmethode zu wechseln statt nur die Stundenzahl zu erhöhen. Aktives Abrufen von Wissen statt passives Wiederlesen zeigt sich in vielen Rückmeldungen als wirksamer - mehr dazu in unserem Ratgeber zu Active Recall und Spaced Repetition.

Genauso wichtig ist der Umgang mit der Prüfungssituation selbst. Nach einem ersten Durchfallen sitzt die Anspannung beim zweiten Versuch oft tiefer, gerade weil die Konsequenzen bei einem erneuten Scheitern klarer im Kopf sind. Das ist menschlich - und ein Grund mehr, sich frühzeitig und strukturiert vorzubereiten statt erst in den letzten Wochen vor dem Termin.

Für den mündlich-praktischen Teil kommt eine zweite Ebene dazu, die beim schriftlichen Pauken leicht untergeht: das freie Sprechen unter Beobachtung. Gerade wer im schriftlichen Teil sicher war und im mündlichen gescheitert ist, unterschätzt oft, wie anders sich Wissen anfühlt, wenn es laut und live abgefragt wird statt angekreuzt. Wer diesen Unterschied gezielt trainiert, geht entspannter in die Wiederholung.

Letzter Versuch entscheidend

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Das nimmst du aus diesem Artikel mit
  • Schriftlicher und mündlich-praktischer Teil des Physikums haben eigene, getrennte Durchfallquoten - 9,5 und 10,5 Prozent im Termin Herbst 2024
  • Wiederholer scheitern statistisch deutlich häufiger als Erstteilnehmende, was für eine veränderte Vorbereitung spricht
  • § 20 Abs. 1 ÄApprO erlaubt zwei Wiederholungsversuche pro Prüfungsteil - danach ist endgültiges Nichtbestehen die Folge
  • Die Sperre nach endgültigem Nichtbestehen gilt bundesweit für Humanmedizin, aber nicht automatisch für Zahnmedizin, Pharmazie oder ein Auslandsstudium

Die Zahlen rund um die Physikum-Durchfallquote sind kein Grund, in Panik zu verfallen - aber ein guter Grund, die eigene Situation nüchtern einzuordnen. Ob erster Versuch oder Wiederholung: Wer weiß, woran die Prüfung gemessen wird und welche Fristen wirklich zählen, kann sich gezielter vorbereiten als jemand, der nur mit einem diffusen Gefühl der Bedrohung in die nächste Lernphase startet.

"Eine Zahl auf einem Papier entscheidet nicht, ob du Ärztin oder Arzt wirst - sie entscheidet nur, wie dein nächster Schritt aussieht."

Häufige Fragen