Direkt nach der Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten kommt für viele die nächste Frage: Reicht das, oder folgt noch eine Fortbildung zur VERAH oder zur NäPa? Beide Abschlüsse bringen mehr Verantwortung und ein spürbares Gehaltsplus - aber auch eine Prüfung, um die sich einiges an Unsicherheit rankt.
Dieser Ratgeber ordnet ein, was zur Durchfallquote bei der VERAH-Prüfung tatsächlich belegt ist, wie die NäPa-Prüfung abläuft und wo sich beide Qualifikationen inhaltlich und rechtlich unterscheiden. Einen Überblick über besonders anspruchsvolle Fortbildungen in Deutschland findest du zudem in unserem Vergleich der schwersten Ausbildungen.
Das Wichtigste in Kürze
- Für die Durchfallquote bei VERAH- oder NäPa-Prüfung gibt es keine offizielle, veröffentlichte Statistik - kursierende Zahlen sind Einzelerfahrungen, keine belegten Werte
- VERAH ist eine 200 Stunden umfassende Fortbildung des Deutschen Hausärzteverbands, abgeschlossen mit Hausarbeit und mündlichem Prüfungskolloquium
- NäPa beruht auf der Delegationsvereinbarung nach § 87 Abs. 2b SGB V und umfasst je nach Berufserfahrung zwischen rund 190 und 271 Stunden
- Zur VERAH wird meist nach zwei, zur NäPa meist erst nach drei Jahren Berufserfahrung als MFA zugelassen
- VERAH-Leistungen laufen meist über die hausarztzentrierte Versorgung, NäPa-Leistungen über den EBM mit KV-Genehmigung
- In Bayern gibt es für VERAH-Absolventinnen eine eigene Ergänzungsprüfung zur NäPa-Anerkennung
Inhaltsverzeichnis
- Durchfallquote bei VERAH und NäPa: Was wirklich bekannt ist
- VERAH-Prüfung: Ablauf, Zulassung und Kosten
- NäPa-Prüfung: Ablauf, Zulassung und Abrechnung
- VERAH oder NäPa - was brauche ich?
- NäPa-Prüfung in Bayern: Regionale Unterschiede
- VERAH-Prüfung nicht bestanden: Wiederholung und Fristen
- So bereitest du dich vor
Durchfallquote bei VERAH und NäPa: Was wirklich bekannt ist
Wer nach der Durchfallquote bei der VERAH-Prüfung sucht, findet keine amtliche Zahl. Weder das Institut für hausärztliche Fortbildung (IHF) im Deutschen Hausärzteverband noch die Landesärztekammern veröffentlichen eine Statistik dazu, wie viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Prüfung im ersten Anlauf bestehen. Für die NäPa-Prüfung gilt dasselbe - auch hier gibt es keine bundesweit veröffentlichte Erfolgs- oder Durchfallquote.
Was es gibt, sind Erfahrungsberichte einzelner Teilnehmerinnen. In einem viel gelesenen Beitrag auf dem Portal MFA mal anders heißt es, die Mehrzahl der eigenen Lerngruppe habe die VERAH-Prüfung auf Anhieb bestanden - ein positiver, aber ausdrücklich einzelner Erfahrungswert, keine belegte Quote. Auch in Fachforen wie Teramed wird die Vorbereitung häufiger als anstrengend denn als unschaffbar beschrieben. Nimm solche Angaben als Stimmungsbild, nicht als verlässliche Zahl.
Beide Fortbildungen laufen berufsbegleitend neben dem Job in der Praxis, decken breite fachliche Inhalte ab und enden mit einer Prüfungsform, die wenig Routine erlaubt - eine schriftliche Hausarbeit plus mündliches Kolloquium bei VERAH, mehrere schriftliche Teilprüfungen bei NäPa. Genau diese Kombination aus Zeitdruck neben dem Job und einer ungewohnten Prüfungssituation lässt beide Prüfungen schwerer wirken, als es der reine Lernstoff nahelegt.
Für die inhaltliche Vorbereitung auf typische NäPa-Prüfungsfragen lohnt sich weniger das Auswendiglernen einzelner Antworten als das Verständnis der Fallbeispiele aus den einzelnen Modulen - genau die Themen, zu denen dich später auch der Praxisalltag prüft.
VERAH-Prüfung: Ablauf, Zulassung und Kosten
Die Fortbildung zur VERAH - offiziell Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis - liegt in der Trägerschaft des Instituts für hausärztliche Fortbildung (IHF) im Deutschen Hausärzteverband, gemeinsam mit dem Verband medizinischer Fachberufe. Das Curriculum umfasst 200 Unterrichtseinheiten zu je 45 Minuten: 106 Einheiten Präsenzunterricht in Kompaktseminaren, dazu 54 Einheiten, die der Arbeitgeber als Kompetenzbescheinigung bestätigt, sowie 40 Einheiten Praktikum, etwa beim Pflegedienst oder bei einer Krankenkasse.
Zugelassen wird, wer eine abgeschlossene Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten oder in der Gesundheits- und Krankenpflege hat und bereits erste Berufserfahrung in einer Hausarztpraxis mitbringt, dazu ein bestehendes Beschäftigungsverhältnis dort. Wer eine andere paramedizinische Ausbildung mitbringt - etwa als Rettungsassistentin oder Hebamme - kann über einen gesonderten Zulassungsantrag einsteigen, braucht dafür aber mindestens zwei Jahre einschlägige Berufspraxis.
Die Prüfung selbst besteht aus zwei Teilen. Zunächst reichst du eine schriftliche Hausarbeit ein: eine konzeptorientierte Fallbeschreibung auf 8 bis 12 DIN-A4-Seiten, die sich mit mindestens drei VERAH-Modulen auseinandersetzt und vier Wochen vor dem Prüfungstermin in dreifacher Ausfertigung eingereicht wird. Zum mündlichen Prüfungskolloquium wird nur zugelassen, wer die Hausarbeit bestanden hat - dort werden jeweils vier Prüflinge gemeinsam eine Stunde lang befragt, pro Person rund 15 Minuten, vor einer Kommission aus Hausärztin oder Hausarzt, einer nichtärztlichen Prüferin und einem Mitglied des VERAH-Teams.
Für Mitglieder des Deutschen Hausärzteverbands liegen die Gesamtkosten bei rund 2.673 Euro, für Nichtmitglieder bei etwa 3.135 Euro - jeweils inklusive Anerkennungsgebühr und Prüfungsgebühr von 179 Euro. Ob sich ein Teil davon über das Aufstiegs-BAföG fördern lässt, hängt davon ab, ob die jeweilige Fortbildung als förderfähige Aufstiegsfortbildung anerkannt ist - das lohnt sich, vorab direkt beim Bildungsträger zu klären.
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NäPa-Prüfung: Ablauf, Zulassung und Abrechnung
Die NäPa-Prüfung beruht auf einer anderen Rechtsgrundlage als die VERAH-Fortbildung. Grundlage ist die Delegationsvereinbarung nach § 87 Abs. 2b SGB V zusammen mit dem Muster-Curriculum "Nicht-ärztliche Praxisassistentin" der Bundesärztekammer, das die einzelnen Landesärztekammern in eigener Zuständigkeit umsetzen.
Der Stundenumfang richtet sich nach der vorhandenen Berufserfahrung: Mit weniger als fünf Jahren Praxiserfahrung sind es in der Regel 271 Stunden (201 Stunden Theorie, 50 Stunden Praxis, 20 Stunden Notfallmanagement), mit bis zu zehn Jahren Erfahrung 220 Stunden, mit mehr als zehn Jahren Erfahrung 190 Stunden. Die Fortbildung darf sich dabei über bis zu fünf Jahre erstrecken.
Zur Zulassung braucht es meist eine abgeschlossene Ausbildung als Medizinische Fachangestellte, Arzthelferin oder in der Krankenpflege sowie mindestens drei Jahre Berufserfahrung in einer Hausarzt- oder Facharztpraxis - die genauen Vorgaben können von Landesärztekammer zu Landesärztekammer leicht variieren.
Die Prüfung selbst besteht meist aus mehreren schriftlichen Teilprüfungen oder einer Gesamtprüfung von mindestens 60 Minuten - das genaue Format legt die zuständige Landesärztekammer fest, weshalb sich NäPa-Prüfungsfragen von Bundesland zu Bundesland unterscheiden können. Die Kosten liegen je nach Anbieter meist zwischen 1.500 und 1.800 Euro, häufig übernimmt die Praxis einen Teil davon.
Abgerechnet werden die delegierten Leistungen einer NäPa über eigene Gebührenordnungspositionen im EBM (GOP 03060 bis 03065), etwa für ärztlich angeordnete Hausbesuche in Abwesenheit des Arztes. Voraussetzung ist eine Genehmigung durch die zuständige Kassenärztliche Vereinigung. Alle drei Jahre ist laut Delegationsvereinbarung zudem ein 16-stündiger Auffrischungskurs vorgeschrieben, um die Qualifikation zu behalten.
VERAH oder NäPa - was brauche ich?
VERAH oder NäPa werden im Praxisalltag oft in einem Atemzug genannt, sind aber keine austauschbaren Bezeichnungen für dieselbe Sache. VERAH ist das Curriculum des Deutschen Hausärzteverbands und vor allem über Verträge der hausarztzentrierten Versorgung (HZV) relevant. NäPa dagegen ist die Qualifikation, die über die bundesärztliche Delegationsvereinbarung definiert wird und eine EBM-Abrechnung ermöglicht - auch für Praxen ohne HZV-Vertrag.
Für die Frage, welche Fortbildung du brauchst, entscheidet meist die Praxis, in der du arbeitest: Läuft dort viel über die hausarztzentrierte Versorgung, ist VERAH oft der naheliegende erste Schritt. Rechnet die Praxis überwiegend regulär über die Kassenärztliche Vereinigung ab und will delegierte Hausbesuche darüber abrechnen, führt eher der Weg über NäPa. Inhaltlich überschneiden sich beide Curricula stark, weshalb viele Kassenärztliche Vereinigungen eine bereits abgeschlossene VERAH-Qualifikation ganz oder teilweise auf die NäPa anrechnen.
Wer bereits VERAH ist und zusätzlich die EBM-fähige NäPa-Anerkennung braucht, muss in vielen Regionen nicht das komplette NäPa-Curriculum neu durchlaufen. Wie genau die Anrechnung funktioniert, regelt aber jede Landesärztekammer beziehungsweise Kassenärztliche Vereinigung für sich - ein anschauliches Beispiel dafür liefert Bayern.
NäPa-Prüfung in Bayern: Regionale Unterschiede
Weil Curriculum und Prüfung der NäPa in der Zuständigkeit der einzelnen Landesärztekammern liegen, unterscheiden sich Details von Bundesland zu Bundesland - genau deshalb wird gezielt nach der NäPa-Prüfung in Bayern gesucht. Die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK) bietet für VERAH-Absolventinnen und -Absolventen eine eigene Ergänzungsprüfung an, über die sich die VERAH-Qualifikation auf die NäPa anrechnen lässt, ohne das gesamte NäPa-Curriculum ein zweites Mal zu durchlaufen.
Diese Ergänzungsprüfung dauert 30 Minuten und besteht aus 20 Multiple-Choice-Fragen zu den VERAH-Plus-Modulen, etwa zu Palliative Care, Schmerzmanagement, Demenz oder - bei weniger als fünf Jahren Berufserfahrung - zusätzlich zu Arzneimittelversorgung und Herzinsuffizienz-Betreuung. Bestanden ist sie ab 70 Prozent richtiger Antworten, also mindestens 14 von 20 Punkten. Voraussetzung ist unter anderem der Nachweis von 20 oder 40 Hausbesuchen durch den Arbeitgeber. Die Prüfung selbst findet kostenfrei an den Walner-Schulen der BLÄK in München statt, mehrmals im Jahr. Am Ende muss zusätzlich die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) den NäPa-Status genehmigen, bevor die Leistungen abgerechnet werden können.
Wenn du in einem anderen Bundesland arbeitest, frag am besten direkt bei deiner zuständigen Landesärztekammer nach, ob es dort eine vergleichbare Ergänzungsprüfung gibt - die Regelungen sind, wie das Beispiel Bayern zeigt, nicht bundeseinheitlich.
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VERAH-Prüfung nicht bestanden: Wiederholung und Fristen
Bestanden ist die Prüfung laut Prüfungsordnung des IHF erst, wenn im schriftlichen und im mündlichen Teil jeweils mindestens eine ausreichende Leistung erreicht wurde. Wer bei der VERAH-Prüfung durchgefallen ist, steht deshalb nicht automatisch am Anfang - die Prüfungsordnung unterscheidet klar, welcher Teil wiederholt werden muss.
Wird die Hausarbeit mit mangelhaft oder ungenügend bewertet, ist nur sie zu wiederholen. Zum Kolloquium wird ohnehin erst zugelassen, wer die Hausarbeit mindestens mit ausreichend bestanden hat. Fällt dagegen das Gesamtergebnis mangelhaft oder ungenügend aus, kannst du auf eigenen Antrag eine zusätzliche mündliche Prüfung ablegen: Deren Ergebnis wird eins zu eins mit der vorherigen Prüfungsleistung verrechnet. Reicht auch das gewichtete Ergebnis nicht zum Bestehen, muss die gesamte Abschlussprüfung wiederholt werden.
Jede Wiederholung muss spätestens zwei Jahre nach der ersten Prüfung abgeschlossen sein - danach verfällt der Wiederholungsanspruch. Wer die Frist verstreichen lässt oder auch im Wiederholungsversuch nicht besteht, muss den kompletten Kurs erneut absolvieren, um überhaupt wieder zur Prüfung zugelassen zu werden. Das macht die Frist zum eigentlichen Kostenrisiko, nicht die Prüfungsgebühr.
Hältst du eine Bewertung für falsch, ist der Weg nicht versperrt: Gegen Entscheidungen der Prüfungskommission kannst du innerhalb von zwei Wochen nach Bekanntgabe beim IHF Widerspruch einlegen. Wie ein solches Verfahren grundsätzlich abläuft und worauf es dabei ankommt, ordnet unser Ratgeber zur Prüfungsanfechtung ein. Bei der NäPa gelten die Wiederholungsregeln der jeweiligen Landesärztekammer - dort lohnt der Blick in die eigene Fortbildungs- und Prüfungsordnung, weil sich Fristen und Versuchszahlen unterscheiden können.
So bereitest du dich vor
Unabhängig davon, ob du dich für VERAH oder NäPa entscheidest: Der Lernstoff lässt sich neben einem Vollzeitjob am besten in kleinen, wiederkehrenden Einheiten bewältigen statt in einer einzigen Lernwoche vor der Prüfung. Wie sich Karteikarten und Wiederholungssysteme dafür sinnvoll einsetzen lassen, erklärt unser Beitrag zu Active Recall und Spaced Repetition, wer generell nach effizienteren Lernmethoden sucht, wird in unserem Ratgeber Schnell auswendig lernen fündig.
Für das mündliche Prüfungskolloquium bei VERAH hilft es, die eigene Hausarbeit laut vor Kolleginnen zu präsentieren und Rückfragen zu simulieren, statt den Text nur stumm zu wiederholen. Konkrete Techniken dafür findest du in unserem Beitrag zur mündlichen Prüfung. Wer schon Wochen vorher an die Prüfungssituation denkt und dabei ins Grübeln gerät, ist damit nicht allein - Hinweise, wie sich diese Anspannung reduzieren lässt, gibt unser Artikel zum Thema Prüfungsangst überwinden.
- Eine offizielle Durchfallquote für VERAH- oder NäPa-Prüfung existiert nicht - kursierende Zahlen sind Einzelerfahrungen, keine belegten Statistiken
- VERAH: 200 Stunden Curriculum des Hausärzteverbands, Prüfung aus Hausarbeit plus mündlichem Kolloquium, Abrechnung meist über HZV
- NäPa: 190 bis 271 Stunden je nach Berufserfahrung, Grundlage ist die Delegationsvereinbarung nach § 87 Abs. 2b SGB V, Abrechnung über den EBM
- Die konkrete Prüfungsform bei NäPa legt die jeweilige Landesärztekammer fest - Bayern bietet dafür sogar eine eigene Ergänzungsprüfung für VERAH-Absolventinnen
Ob VERAH oder NäPa: Beide Fortbildungen verlangen über Monate Substanz neben dem Praxisalltag, aber keine von beiden ist ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang, wenn du weißt, was dich erwartet. Wer die Zulassungsvoraussetzungen, den Prüfungsablauf und die Unterschiede zwischen beiden Qualifikationen kennt, kann die eigene Vorbereitung gezielt auf das ausrichten, was am Ende wirklich zählt.
"Zwei Kürzel, ein gemeinsamer Kern: mehr Verantwortung für die, die sie sich zutrauen - und Vorbereitung entscheidet darüber, nicht der Zufall am Prüfungstag."



