Angehende Ärztinnen und Ärzte haben ihr Staatsexamen, angehende Juristinnen und Juristen ihr Erstes Examen - und wer als Psychotherapeutin oder Psychotherapeut arbeiten will, muss durch die Approbationsprüfung. Anders als bei den meisten Heilberufen ist der Weg dorthin gerade im Umbruch: Seit 2020 laufen zwei komplett unterschiedliche Ausbildungssysteme parallel, mit unterschiedlichem Prüfungsaufbau und unterschiedlichen Zahlen zum Bestehen.
Gesucht wird dabei häufig auch nach PiA - ein Begriff, der schnell für Verwirrung sorgt: PiA steht hier für Psychotherapeut in Ausbildung, nicht für die praxisintegrierte Erzieherausbildung, die im Netz unter demselben Kürzel läuft. Und auch der Heilpraktiker für Psychotherapie hat mit dieser Prüfung nichts zu tun - er durchläuft eine ganz andere, amtsärztliche Überprüfung beim Gesundheitsamt. Dieser Artikel ordnet ein, was die Approbationsprüfung Psychotherapie heute bedeutet, wie hoch die Durchfallquote tatsächlich ist, wie die Prüfung abläuft und wann die nächsten Termine anstehen.
Das Wichtigste in Kürze
- Seit der Reform 2020 führen zwei parallele Wege zur Approbation: das neue Direktstudium mit eigener Prüfung (MPF + AoPP) und die alte PiA-Ausbildung mit klassischer schriftlicher und mündlicher IMPP-Prüfung
- Die alte PiA-Ausbildung läuft noch bis spätestens 31. August 2032 (Härtefälle bis 2035), geregelt in § 27 PsychThG
- Die schriftliche IMPP-Prüfung der alten Ausbildung hat traditionell eine niedrige Durchfallquote von unter 4 Prozent
- Für die neue Approbationsprüfung (MPF/AoPP) gibt es noch keine amtliche, bundesweite Durchfallquote - Erhebungen nennen Werte zwischen rund 8 und über 20 Prozent
- Die Prüfung findet zweimal jährlich statt, im Frühjahr und im Herbst, Anmeldung läuft über das zuständige Landesprüfungsamt
Inhaltsverzeichnis
- Approbationsprüfung Psychotherapie: Was der Begriff heute meint
- Alte PiA-Ausbildung oder neues Direktstudium: zwei Wege zur Approbation
- Durchfallquote der Approbationsprüfung Psychotherapie: die Zahlen
- So läuft die Prüfung ab - je nach Ausbildungsweg unterschiedlich
- Prüfungstermine und Anmeldung
- Warum die PiA-Ausbildung als besonders hart gilt
Approbationsprüfung Psychotherapie: Was der Begriff heute meint
Die Approbationsprüfung Psychotherapie ist die staatliche Prüfung, die zur Approbation als Psychotherapeutin oder Psychotherapeut führt - also zu der heilkundlichen Zulassung, die vergleichbar mit der ärztlichen Approbation ist. Ohne sie darfst du weder gesetzlich abrechnen noch dich Psychotherapeutin oder Psychotherapeut nennen, unabhängig davon, wie viele Ausbildungsstunden oder Praxissemester du bereits gesammelt hast.
Verwirrend wird es, weil der Weg zu dieser Prüfung seit 2020 nicht mehr einheitlich ist. Wer aktuell nach Informationen zur psychotherapeutischen Prüfung sucht, landet deshalb auf sehr unterschiedlichen Angaben - je nachdem, ob die Quelle sich auf das alte oder das neue System bezieht. Genau diese Unterscheidung ist der häufigste Verständnisfehler rund um das Thema, und sie entscheidet auch darüber, welche Durchfallquote und welcher Prüfungsablauf für dich überhaupt relevant sind.
Alte PiA-Ausbildung oder neues Direktstudium: zwei Wege zur Approbation
Mit der Reform des Psychotherapeutengesetzes (PsychThG), die zum 1. September 2020 in Kraft trat, wurde die Ausbildung zur Psychotherapeutin oder zum Psychotherapeuten grundlegend neu geordnet. Seitdem führt ein fünfjähriges Direktstudium Psychotherapie (Bachelor und polyvalenter Master) direkt zur staatlichen Approbationsprüfung nach der neuen Approbationsordnung (PsychThApprO). Eine anschließende, mehrjährige Weiterbildung zum Erwerb der Fachkunde folgt danach als eigener, separat geregelter Schritt.
Parallel dazu läuft die alte Ausbildung weiter: Wer sein Psychologiestudium noch vor dem Stichtag begonnen hat, kann die postgraduale PiA-Ausbildung an einem anerkannten Ausbildungsinstitut nach altem Recht abschließen. Diese Übergangsregelung ist in § 27 PsychThG festgeschrieben - die Ausbildung muss spätestens bis zum 31. August 2032 abgeschlossen sein, in nachgewiesenen Härtefällen wie Krankheit oder Schwangerschaft verlängert sich die Frist um bis zu drei Jahre bis zum 31. August 2035.
Beide Wege enden mit der Approbation - deshalb tauchen beide unter dem Suchbegriff Approbationsprüfung Psychotherapie auf, obwohl Inhalt, Ablauf und Statistik sich deutlich unterscheiden.
Durchfallquote der Approbationsprüfung Psychotherapie: die Zahlen
Die Frage nach der Durchfallquote in der PiA-Ausbildung lässt sich nur getrennt nach System seriös beantworten. Für die alte, schriftliche IMPP-Prüfung veröffentlicht das Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) regelmäßig Ergebnisberichte. Ausgewertet zeigen diese für den Prüfungstermin Herbst 2025 eine Durchfallquote von 0,72 Prozent bei Psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie 2,64 Prozent bei Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Über einen längeren Zeitraum betrachtet - die Jahre 2004 bis 2013 - lag die durchschnittliche Durchfallquote bei rund 3,74 Prozent. Der schriftliche Teil der alten Ausbildung war damit nie das Nadelöhr, das viele erwarten.
Die neue Approbationsprüfung (MPF und AoPP) ist zu jung, um bundesweit einheitlich ausgewertet zu sein - das IMPP ist im neuen System nur für die AoPP zuständig, die mündlich-praktische Fallprüfung organisieren die Bundesländer eigenständig. Eine länderübergreifende Online-Erhebung zum Frühjahrstermin 2025 kam bei knapp 350 Teilnehmenden aus acht Bundesländern auf eine Nichtbestehensquote von rund 8 Prozent in der AoPP. Eine kleinere, unabhängige Befragung mit 66 Teilnehmenden ermittelte für denselben Termin eine Gesamtdurchfallquote von 22,73 Prozent. Beide Zahlen stammen aus Umfragen, nicht aus einer amtlichen Vollerhebung - verlässlichere Werte wird es erst mit mehr Prüfungsjahrgängen geben.
Was sich schon jetzt sagen lässt: Die neue, stärker praxisorientierte Prüfungsform mit Parcours-Stationen und Fallgesprächen wird von vielen als anspruchsvoller erlebt als die frühere Multiple-Choice-Klausur - nicht, weil weniger Fachwissen verlangt wird, sondern weil die Prüfungssituation selbst eine andere ist.
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So läuft die Prüfung ab - je nach Ausbildungsweg unterschiedlich
Auch beim Ablauf lohnt sich der Blick auf das jeweilige System. In der alten PiA-Ausbildung besteht die Approbationsprüfung aus zwei Teilen: einer schriftlichen Prüfung mit Multiple-Choice-Fragen, die das IMPP auf Basis eines bundesweiten Gegenstandskatalogs entwickelt, und einer mündlichen Prüfung mit Fallvorstellung vor der Prüfungskommission. Beide Teile werden getrennt für Psychologische Psychotherapie und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie abgenommen.
Im neuen Direktstudium gibt es keine klassische schriftliche Klausur mehr. Stattdessen prüft die Mündlich-Praktische Fallprüfung (MPF) in einem 40- bis 45-minütigen Fachgespräch mit zwei Prüfenden, wie sicher du vier selbst erstellte Patientenanamnesen fachlich einordnen und begründen kannst. Ergänzt wird sie durch die Anwendungsorientierte Parcoursprüfung (AoPP): zwei Stationen à 30 Minuten mit vorheriger Vorbereitungszeit, in denen realitätsnahe Patientensituationen anhand von Fallvignetten bewältigt werden müssen - Themen aus der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie können dabei zu rund einem Fünftel vorkommen. Wer sich unabhängig vom Format mit der besonderen Drucksituation eines mündlichen Prüfungsgesprächs auseinandersetzen will, findet in unserem Beitrag zu Tipps für die mündliche Prüfung zusätzliche Orientierung.
Prüfungstermine und Anmeldung
Die Termine der Approbationsprüfung Psychotherapie folgen einem festen Rhythmus: Die Prüfung findet zweimal im Jahr statt, im Frühjahr (meist Mitte März) und im Spätsommer (meist Ende August). Für 2026 waren das der 12. März und der 20. August, für 2027 nennt das IMPP den 18. März und den 26. August - die endgültigen, für dich verbindlichen Termine und etwaige länderspezifische Abweichungen findest du immer aktuell direkt beim IMPP und deinem zuständigen Landesprüfungsamt.
Die Anmeldung zur Approbationsprüfung Psychotherapie läuft nicht zentral, sondern über das Landesprüfungsamt deines Bundeslandes - je nachdem, wo du deine Ausbildung beziehungsweise dein Studium absolvierst. Die Fristen variieren dabei spürbar: Bayern etwa verlangt die Anmeldung zur Frühjahrsprüfung bis zum 10. Januar und zur Herbstprüfung bis zum 10. Juni, andere Länder setzen ähnliche, aber nicht identische Stichtage. Weil für die Anmeldung in der Regel Ausbildungsnachweise und weitere Unterlagen zusammengestellt werden müssen, lohnt es sich, mehrere Monate vorher bei der eigenen Behörde nachzufragen, statt sich auf pauschale, bundesweite Angaben zu verlassen.
Warum die PiA-Ausbildung als besonders hart gilt
Wer sich fragt, warum die PiA-Ausbildung als so schwer gilt, meint damit selten den Prüfungsstoff - sondern die Rahmenbedingungen davor. Die alte Ausbildung dauert in Vollzeit rund drei Jahre, berufsbegleitend bis zu fünf Jahre, und kommt zum ohnehin fünf- bis sechsjährigen Psychologiestudium noch obendrauf. Die Ausbildung am Institut ist zudem meist kostenpflichtig: Je nach Verfahren und Einrichtung liegen die Kosten, die PiA häufig selbst tragen, zwischen rund 10.000 und weit über 50.000 Euro.
Historisch kam erschwerend hinzu, dass die praktische Tätigkeit während der Ausbildung kaum oder gar nicht bezahlt wurde. Seit der PsychThG-Reform gibt es für die erste praktische Tätigkeitsphase einen gesetzlichen Mindestvergütungsanspruch von 1.000 Euro monatlich in Vollzeit, finanziert über die Krankenkassen. Angesichts eines Arbeitsumfangs von häufig rund 26 Wochenstunden für diesen Ausbildungsteil bleibt die finanzielle Situation für viele trotzdem angespannt, besonders wenn parallel Institutsgebühren und Lebenshaltungskosten anfallen. Wie belastend Ausbildungswege mit langer Dauer, hohen Kosten und wenig Bezahlung sein können, ordnen wir in unserem Überblick über die schwersten Ausbildungen Deutschlands auch für andere Berufe ein.
Für die eigentliche Prüfungsvorbereitung hilft dabei am meisten, was du aus deinem Studium schon kennst: Fälle immer wieder aktiv durcharbeiten statt nur zu lesen. Unser Beitrag zu Active Recall und Spaced Repetition mit Karteikarten zeigt, wie sich gerade Fallwissen und diagnostische Abwägungen nachweislich besser festigen lassen als beim passiven Wiederholen. Und falls es beim ersten Versuch nicht klappt: Die Grundprinzipien beim Umgang mit einer nicht bestandenen Prüfung und einem möglichen Wiederholungsversuch ähneln sich über verschiedene Ausbildungswege hinweg - Genaueres dazu findest du in unserem Artikel zur Wiederholungsprüfung beim Drittversuch.
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- Approbationsprüfung Psychotherapie meint je nach Ausbildungsweg zwei unterschiedliche Prüfungen: die alte schriftlich-mündliche IMPP-Prüfung oder die neue MPF/AoPP-Prüfung nach Direktstudium
- Die alte Ausbildung läuft mit Übergangsfrist bis spätestens 31. August 2032 (Härtefall bis 2035) parallel weiter
- Die schriftliche IMPP-Prüfung der alten Ausbildung hat eine niedrige Durchfallquote von unter 4 Prozent, für die neue Prüfung fehlt bislang eine amtliche Gesamtquote
- Prüfungstermine liegen zweimal jährlich, Anmeldung läuft über das jeweilige Landesprüfungsamt mit eigenen Fristen
Die Approbationsprüfung Psychotherapie ist kein einheitliches Format mehr, sondern zwei parallele Wege mit eigener Logik, eigenem Ablauf und eigenen Zahlen. Wer weiß, in welchem System er oder sie steckt, kann sich gezielter vorbereiten - und muss sich weder von falsch zugeordneten Durchfallquoten noch von vagen Foreneinträgen verunsichern lassen.
"Die Approbation entscheidet sich nicht an einem einzelnen Prüfungstag - sondern an der Frage, wie gut du weißt, welchen Weg du eigentlich gehst."



